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BEWEGENDER VORTRAG 22 Jahre in Einzelhaft und ohne Hoffnung

Ein Vortrag von Denis Goldberg

mit Unterstützung der KhoiSan Trading Germany GmbH

22 Jahre in Einzelhaft und ohne Hoffnung
Das einzige Verbrechen von Denis Goldberg war es, sich für Freiheit und
Demokratie in Südafrika einzusetzen. In Günzburg berichtet der 80-Jährige
über sein Leben. Trotz allem hat er seinen Humor nicht verloren Von WalterKaiser

Für seinen Kampf gegen das rassistische Apartheid-System in Südafrika musste Denis
Goldberg teuer bezahlen. 22 Jahre saß er im Gefängnis. Über sein Leben sprach der 80-
Jährige bei einem Vortrag in Günzburg.
Foto: Greta Kaiser
Günzburg Die Fantasie reicht nicht aus, sich das Leben von Denis Goldberg
vorzustellen. 22 Jahre saß er im Gefängnis, er wurde gefoltert, mit dem Tod bedroht
und von Familie und Außenwelt restlos abgeschnitten. Goldbergs einziges
„Verbrechen“ war es, gegen das rassistische Apartheid-Regime in Südafrika zu
kämpfen, sich für Freiheit, Gleichberechtigung, Demokratie und Menschenwürde
einzusetzen. Am Mittwochabend hat der inzwischen 80-jährige Weggefährte des
südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela in der Günzburger Volksbank über
sein Leben berichtet. Es war ein bewegender, ein sehr persönlicher Vortrag.
Eingeladen war Goldberg von Stadt, Volkshochschule und Weltladen.
Denis Goldberg war privilegiert. Seine Eltern waren englische Einwanderer, er war
weiß und begabt. Schon mit 16 Jahren ging er an die Universität, um Bauingenieur
zu werden. Denis Goldberg hätte sich in Südafrika ein angenehmes Leben einrichten

können. Er hat es nicht getan. Er hat einen schwierigen, aber zutiefst menschlichen
Weg gewählt, für den er einen hohen Preis bezahlt hat.
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„Rassismus gibt es überall auf der Welt“, begann Goldberg seinen auf Deutsch
gehaltenen Vortrag. „Aber in Südafrika war Rassismus per Gesetz verordnet.“ Fast
40 Millionen Schwarze waren nichts anderes als billige und rechtlose Arbeitssklaven
von fünf Millionen Weißen. Schon als Jugendlicher begehrte Denis Goldberg gegen
dieses System auf. Er trat verschiedenen Organisationen bei, die sich gegen das
Apartheidssystem auflehnten – letztlich dem bewaffneten Flügel des Afrikanischen
Nationalkongresses, dessen Galionsfigur der spätere Präsident Nelson Mandela
wurde.
Dass er sich als Weißer für die Rechte der Schwarzen einsetzte, wurde ihm vom
Regime besonders verübelt. Er wurde verhaftet, gefoltert und mit dem Tod bedroht.
Etwa 1000 Menschen kamen bei solchen „Verhören“ ums Leben. 1963 wurde
Goldberg wegen Hochverrats und Sabotage zu viermal lebenslänglich verurteilt. „Wir
mussten lachen“, so bizarr kam ihm und seinen Weggefährten ein solches Urteil vor.
Der Staatsanwalt hatte die Todesstrafe gefordert.
22 Jahre saß Goldberg in einem Hochsicherheitsgefängnis. In Einzelhaft und ohne
Hoffnung, jemals entlassen zu werden. Wo nimmt ein Mann die Kraft her, ein solches
Leben zu ertragen? „Man muss einen Sinn für sein Leben finden“, gab Goldberg bei
der Diskussion mit den zahlreichen Zuhörern zu verstehen. Der Sinn seines Lebens
sei es gewesen, gegen Rassismus und Unterdrückung und für Freiheit,
Gleichberechtigung und Menschenwürde einzutreten. Stark habe ihn auch die
Solidarität vieler Menschen in aller Welt gemacht. „Und Galgenhumor“, fügte
Goldberg an. Und er hat in der Haft viel gelernt. Deutsch und Französisch,
Fernstudien schloss er in Öffentlichem Recht, Geschichte und Geografie ab.
Hat sich der Kampf gelohnt? Ja, antwortet Denis Goldberg. Südafrika ist ein freies,
ein demokratisches Land. „Wir haben viel erreicht, viel mehr müssen wir aber noch
schaffen.“ In kleinen Schritten gehe es aufwärts – nicht zuletzt dank der
Hilfsorganisationen, die Goldberg gegründet hat. „Ich bin optimistisch.“ Man glaubt es
dem 80-Jährigen, der sich nie beugte, nie auf Rache sann und trotz allem seinen
Humor nicht verloren hat. Viele Besucher ließen sich eines seiner Bücher signieren